Am 23. November 1945 abends um 20 Uhr versammelten sich im kleinen Saale des Kolpinghauses zu Bensheim 39 Herren, die mit dem festen Willen gekommen waren, die "Christlich-Demokratische Partei Bensheim" zu gründen.

 

Gründung der CDU-Bensheim 1945

Verantwortungsbewußte Bürger, die vor 1933 Anhänger von Parteien auf christlicher Grundlage waren, fanden sich zusammen, sie trafen sich mit ihren Pfarrern und berieten, in welcher Weise sie politisch tätig werden könnten. In der Zeit der Unterdrückung alles Christlichen hatten sie erkannt, daß christliches Ideengut nur dann im politischen Bereich wirksam werden könne, wenn sich die Vertreter der beiden großen christlichen Konfessionen zusammenschließen würden. Im Sommer und im Herbst 1945 fanden in unregelmäßigen Abständen die Zusammenkünfte bei den Pfarrern statt. Die Zeit, die dafür zur Verfügung stand, war durch die abendliche Sperrstunde ziemlich eingeengt.

Die Gründung von christlichen Parteien

Die Gründung einer Christlich-Demokratischen Partei in Frankfurt hatte Signalwirkung für Parteigründungen in vielen anderen Städten des durch die amerikanische Militärregierung neugebildeten Staates Groß-Hessen. Am 15. September 1945 hatten sechs Gründungsmitglieder die Lizenzierung der CDP-Frankfurt beantragt. In den unter Werner Hilpert erarbeiteten Leitsätzen bekannte man sich zu "einem wirtschaftlichen Sozialismus auf demokratischer Grundlage".

An den Vorbesprechungen in Bensheim war Pfarrer Malzy, der mehrere Jahre in den USA war, maßgebend beteiligt. Im amerikanischen Sektor mußten die Parteigründungen einzeln von der Militärregierung genehmigt werden, es gab keine Genehmigung für das ganze Land Groß-Hessen. Bei uns wurde die Lizenz zur Gründung einer Christlich-Demokratischen Partei für das Kreisgebiet am 22. Oktober 1945 beantragt. Für Bensheim war dieser Antrag von Minister a.D. Kirnberger und Dekan Kallfelz unterzeichnet. Die Militärregierung entsprach dem Antrag und erteilte mit Lizenz vom 31. Oktober 1945 die Genehmigung zur Gründung einer Christlich-Demokratischen Partei.

Gründung einer christlich-demokratischen Partei in Bensheim

Text des Gründungsprotokolls: "Am 23. November 1945 abends um 20 Uhr versammelten sich im kleinen Saale des Kolpinghauses zu Bensheim 39 Herren, die mit dem festen Willen gekommen waren, die "Christlich-Demokratische Partei Bensheim" zu gründen. Als Gast war Herr Treffert von Jugenheim anwesend.
Die Begrüßung erfolgte durch Herrn Dekan Kallfelz unter Hinweis auf die Wichtigkeit des Abends. Herr Dekan Kallfelz erteilte dann Herrn Pfarrer a.D. Malzy das Wort. Der Redner brachte nach einem geschichtlichen Überblick das Programm zur Verlesung. Das Programm war in öfteren Vorberatungen aufgestellt worden. Die Annahme erfolgte einstimmig.

Hierauf stellten die anwesenden Herren schriftlich den Antrag auf Aufnahme in die nunmehr neugegründete Partei. Die Wahl des Vorstandes erfolgte als nächstes. Es wurde einstimmig folgender Vorstand gewählt:
1. Vorsitzender Herr Göbel, Lehrer
2. Vorsitzender Herr Gilmer, Landgerichtsdirektor
1. Schriftführer Herr Fertig jun., Verwaltungsinspektor
2. Schriftführer Herr Willmes, Kaufmann
1. Kassierer Herr Rieger, Kaufmann
2. Kassierer Herr Blumenschein, Maschinenarbeiter
1. Beisitzer Herr Gmeiner, Buchdruckereibesitzer
2. Beisitzer Herr Kunz, Postinspektor

Der Beitrag wurde auf mindestens 0,50 RM monatlich festgesetzt.
Die Versammlung wurde um 21.30 Uhr durch den 1. Vorsitzenden geschlossen.
Bensheim, den 23. November 1945              Franz Johann Fertig jr., 1. Schriftführer"

Die ersten Vorstandssitzungen

Nach der Gründungsversammlung war eine kurze Vorstandssitzung, dabei wurde festgelegt, daß zur Erledigung dringender Fragen wöchentlich eine Vorstandssitzung stattfinden solle. Diese Sitzungen sollten jeweils am Donnerstag um 20 Uhr im Haus Obergasse 19 abgehalten werden. Es wurden auch erste Vorgespräche wegen einer öffentlichen Versammlung geführt. Joseph Treffert wurde beauftragt als Vertreter der CDP-Bensheim in Würzburg an einem einheitlichen Programm für die neugegründeten christlichen Parteien mitzuarbeiten.

Die nächste Vorstandssitzung war bereits am 29. November. Die erste öffentliche Versammlung wurde vorbereitet. Die Heizung des Versammlungssaales und die Beschaffung von Plakaten waren damals die großen Probleme. Bei der nächsten Vorstandssitzung, am 6. Dezember, war auch Joseph Treffert vom Provinzsekretariat Starkenburg anwesend. Der Name der Partei wurde in "Christlich Demokratische Union" geändert. Beratungsgegenstand war wieder die erste öffentliche Versammlung. Diese war am 19. Dezember 1945 um 19.30 Uhr im "Bensheimer Hof" (heute Apollo-Theater) in der Rodensteinstraße, Redner war Stadtrat a.D. Joseph Treffert, er sprach über "Weg und Ziele der Christlich Demokratischen Union". Im Protokoll der Vorstandssitzung vom 20. Dezember wird zu dieser Versammlung vermerkt: "Auf die am 19. Dezember 1945 im "Bensheimer Hof" durchgeführte öffentliche Kundgebung können wir mit Stolz zurückblicken. Herr Treffert hat mit treffenden Worten die Grundsätze der Christlich-Demokratischen Union dargelegt und die Probleme der Zeit aufgerollt. Zur Diskussion meldete sich ein Herr Ramm, SPD, dessen weitschweifende Verdächtigungen und selbstherrliche Darlegungen von Herrn Treffert in vollendeter Weise widerlegt wurden."

CDU-Kreisverband Bergstraße und Ortsverband Auerbach werden gegründet

Am 9. Dezember 1945 wurde in Heppenheim der Kreisverband der Christlich Demokratischen Union gegründet. Als Delegierte aus Bensheim nahmen Heinrich Göbel und Dr. Fritsch, Auerbach an der Gründungsversammlung teil. Bis zum 20. Dezember hatte der Ortsverband Bensheim 61 Mitglieder und 5 Anwärter. Anwärter waren Personen, die vorher Mitglieder der NSDAP waren und deshalb vor ihrer "Entnazifizierung" nicht Mitglieder einer demokratischen Partei werden konnten.
In der Vorstandssitzung am 31. Januar 1946 wurde mitgeteilt, daß in Auerbach ein Ortsverband der CDU gegründet wurde. Vorsitzender war Dr. Fritsch. Die in Auerbach wohnenden Mitglieder des Bensheimer Ortsverbandes wurden deshalb nach Auerbach überwiesen.

aus: 40 Jahre CDU Bensheim (Martin Hellriegel, 1985)