Gründung der CDU-Bensheim 1945
Verantwortungsbewußte
Bürger, die vor 1933 Anhänger von Parteien auf christlicher Grundlage
waren, fanden sich zusammen, sie trafen sich mit ihren Pfarrern und berieten,
in welcher Weise sie politisch tätig werden könnten. In der Zeit
der Unterdrückung alles Christlichen hatten sie erkannt, daß
christliches Ideengut nur dann im politischen Bereich wirksam werden könne,
wenn sich die Vertreter der beiden großen christlichen Konfessionen
zusammenschließen würden. Im Sommer und im Herbst 1945 fanden
in unregelmäßigen Abständen die Zusammenkünfte bei
den Pfarrern statt. Die Zeit, die dafür zur Verfügung stand,
war durch die abendliche Sperrstunde ziemlich eingeengt.
Die Gründung von
christlichen Parteien
Die Gründung einer Christlich-Demokratischen
Partei in Frankfurt hatte Signalwirkung für Parteigründungen
in vielen anderen Städten des durch die amerikanische Militärregierung
neugebildeten Staates Groß-Hessen. Am 15. September 1945 hatten sechs
Gründungsmitglieder die Lizenzierung der CDP-Frankfurt beantragt.
In den unter Werner Hilpert erarbeiteten Leitsätzen bekannte man sich
zu "einem wirtschaftlichen Sozialismus auf demokratischer Grundlage".
An den Vorbesprechungen
in Bensheim war Pfarrer Malzy, der mehrere Jahre in den USA war, maßgebend
beteiligt. Im amerikanischen Sektor mußten die Parteigründungen
einzeln von der Militärregierung genehmigt werden, es gab keine Genehmigung
für das ganze Land Groß-Hessen. Bei uns wurde die Lizenz zur
Gründung einer Christlich-Demokratischen Partei für das Kreisgebiet
am 22. Oktober 1945 beantragt. Für Bensheim war dieser Antrag von
Minister a.D. Kirnberger und Dekan Kallfelz unterzeichnet. Die Militärregierung
entsprach dem Antrag und erteilte mit Lizenz vom 31. Oktober 1945 die Genehmigung
zur Gründung einer Christlich-Demokratischen Partei.
Gründung einer christlich-demokratischen
Partei in Bensheim
Text des Gründungsprotokolls:
"Am 23. November 1945 abends um 20 Uhr versammelten sich im kleinen Saale
des Kolpinghauses zu Bensheim 39 Herren, die mit dem festen Willen gekommen
waren, die "Christlich-Demokratische Partei Bensheim" zu gründen.
Als Gast war Herr Treffert von Jugenheim anwesend.
Die Begrüßung
erfolgte durch Herrn Dekan Kallfelz unter Hinweis auf die Wichtigkeit des
Abends. Herr Dekan Kallfelz erteilte dann Herrn Pfarrer a.D. Malzy das
Wort. Der Redner brachte nach einem geschichtlichen Überblick das
Programm zur Verlesung. Das Programm war in öfteren Vorberatungen
aufgestellt worden. Die Annahme erfolgte einstimmig.
Hierauf stellten die anwesenden
Herren schriftlich den Antrag auf Aufnahme in die nunmehr neugegründete
Partei. Die Wahl des Vorstandes erfolgte als nächstes. Es wurde einstimmig
folgender Vorstand gewählt:
1. Vorsitzender Herr Göbel,
Lehrer
2. Vorsitzender Herr Gilmer,
Landgerichtsdirektor
1. Schriftführer Herr
Fertig jun., Verwaltungsinspektor
2. Schriftführer Herr
Willmes, Kaufmann
1. Kassierer Herr Rieger,
Kaufmann
2. Kassierer Herr Blumenschein,
Maschinenarbeiter
1. Beisitzer Herr Gmeiner,
Buchdruckereibesitzer
2. Beisitzer Herr Kunz,
Postinspektor
Der Beitrag wurde auf mindestens
0,50 RM monatlich festgesetzt.
Die Versammlung wurde um
21.30 Uhr durch den 1. Vorsitzenden geschlossen.
Bensheim, den 23. November
1945
Franz Johann Fertig jr., 1. Schriftführer"
Die ersten Vorstandssitzungen
Nach der Gründungsversammlung
war eine kurze Vorstandssitzung, dabei wurde festgelegt, daß zur
Erledigung dringender Fragen wöchentlich eine Vorstandssitzung stattfinden
solle. Diese Sitzungen sollten jeweils am Donnerstag um 20 Uhr im Haus
Obergasse 19 abgehalten werden. Es wurden auch erste Vorgespräche
wegen einer öffentlichen Versammlung geführt. Joseph Treffert
wurde beauftragt als Vertreter der CDP-Bensheim in Würzburg an einem
einheitlichen Programm für die neugegründeten christlichen Parteien
mitzuarbeiten.
Die nächste Vorstandssitzung
war bereits am 29. November. Die erste öffentliche Versammlung wurde
vorbereitet. Die Heizung des Versammlungssaales und die Beschaffung von
Plakaten waren damals die großen Probleme. Bei der nächsten
Vorstandssitzung, am 6. Dezember, war auch Joseph Treffert vom Provinzsekretariat
Starkenburg anwesend. Der Name der Partei wurde in "Christlich Demokratische
Union" geändert. Beratungsgegenstand war wieder die erste öffentliche
Versammlung. Diese war am 19. Dezember 1945 um 19.30 Uhr im "Bensheimer
Hof" (heute Apollo-Theater) in der Rodensteinstraße, Redner war Stadtrat
a.D. Joseph Treffert, er sprach über "Weg und Ziele der Christlich
Demokratischen Union". Im Protokoll der Vorstandssitzung vom 20. Dezember
wird zu dieser Versammlung vermerkt: "Auf die am 19. Dezember 1945 im "Bensheimer
Hof" durchgeführte öffentliche Kundgebung können wir mit
Stolz zurückblicken. Herr Treffert hat mit treffenden Worten die Grundsätze
der Christlich-Demokratischen Union dargelegt und die Probleme der Zeit
aufgerollt. Zur Diskussion meldete sich ein Herr Ramm, SPD, dessen weitschweifende
Verdächtigungen und selbstherrliche Darlegungen von Herrn Treffert
in vollendeter Weise widerlegt wurden."
CDU-Kreisverband Bergstraße
und Ortsverband Auerbach werden gegründet
Am 9. Dezember 1945 wurde
in Heppenheim der Kreisverband der Christlich Demokratischen Union gegründet.
Als Delegierte aus Bensheim nahmen Heinrich Göbel und Dr. Fritsch,
Auerbach an der Gründungsversammlung teil. Bis zum 20. Dezember hatte
der Ortsverband Bensheim 61 Mitglieder und 5 Anwärter. Anwärter
waren Personen, die vorher Mitglieder der NSDAP waren und deshalb vor ihrer
"Entnazifizierung" nicht Mitglieder einer demokratischen Partei werden
konnten.
In der Vorstandssitzung
am 31. Januar 1946 wurde mitgeteilt, daß in Auerbach ein Ortsverband
der CDU gegründet wurde. Vorsitzender war Dr. Fritsch. Die in Auerbach
wohnenden Mitglieder des Bensheimer Ortsverbandes wurden deshalb nach Auerbach
überwiesen.
aus: 40 Jahre CDU Bensheim
(Martin Hellriegel, 1985)
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